so.und.so.

Hintergrund

Das so.und.so. -Beratungskonzept wurde von Prof. Dr. Sabine Stahl von 2007 bis 2012 entwickelt und wissenschaftlich evaluiert, um die bestehende Versorgungslücke in der Beratung von Menschen mit Lernschwierigkeiten zu schließen. Seitdem zeigt es überzeugende und nachhaltige Ergebnisse. Es beruht u.a. auf dem Gedanken, dass das methodische und inhaltliche Vorgehen der Beratungsperson

für Menschen mit Lernschwierigkeiten mitentscheidend für eine gelungene Kommunikation und Interaktion ist.

 

Das so.und.so.-Beratungskonzept basiert auf einer humanistischen Menschenbildannahme. Die Beziehung zwischen Berater*in und Ratsuchendem ist symmetrisch, horizontal,personenzentriert,unabhängig und würdevoll. Grundhaltungen sind, dass der Ratsuchende Experte für seine Lebenssituation ist und Ambivalenzen Ausdruck von mangelnder Information und/oder Vorsicht.

Die Ziele der Beratung bestimmt der Ratsuchende. Es geht letztlich um eine Erweiterung der Entscheidungs- und Handlungsfähigkeit und somit um einen Zuwachs an Vertrauen in die eigenen Kompetenzen.

 

Der Name so.und.so. entstand während eines Beratungsgesprächs, in dem ein Ratsuchender bemerkte: „Ich dachte, man muss sich immer einer Sache sicher sein. Dabei darf es auch so und so sein.“ Im weiteren Verlauf des Gesprächs stellte sich heraus, dass er die Idee entwickelt hatte, seine gelegentlichen Ambivalenzen seien Ausdruck seiner so genannten geistigen Behinderung. Die Nachricht, dass viele Menschen ohne dieses Etikett dieselben Schwierigkeiten mit ambivalenten Gefühlen hätten, sorgte für große Erleichterung. Dafür sensibilisiert zeigte sich diese Idee auch in zahlreichen anderen Gesprächen immer wieder.

 

An den Stellen, an denen verbale Kommunikation an Grenzen kommt oder auch zu Missverständnissen führt, kann der Einsatz von Bildkarten und anderen Medien (Becher, Seile, Steine, etc.) Lösungen bieten.

 

Der reduzierte Einsatz von Sprache und die Nutzung visueller Ergänzungen kann schneller zu einer gemeinsamen Kommunikations- und Verständnisebene führen. Prof. Stahl hat eigens hierfür die Bildkarten der Inneren Helfer (für Erwachsene) und die Tierischen Helfer (für Kinder und Jugendliche) entwickelt. Mithilfe dieser Bildkarten wird das Einnehmen einer Metaebene für die Zielgruppe möglich und stellt einen erheblichen Beitrag zur Lösungsfindung dar. Innere Bilder von Ratsuchenden werden so greifbar. und helfen Klarheit zu bekommen. Was vielleicht vorher als diffuses Gefühl, für das kaum Worte gefunden werden konnten vorlag, wird nun beschreibbarer und klarer.

Wenn der Ratsuchende „Frau Tradition“ in die Mitte des Tisches legt und sagt „gut – pünktlich“, hilft er der Beraterin, auf die Spur zu kommen, dass es wegen Unpünktlichkeit Ärger in der Werkstatt gab.